{"id":1694,"date":"2021-03-17T07:00:00","date_gmt":"2021-03-17T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.janajeworreck.de\/?p=1694"},"modified":"2021-03-19T16:45:27","modified_gmt":"2021-03-19T15:45:27","slug":"hexenstunde-von-anne-rice","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.janajeworreck.de\/index.php\/2021\/03\/17\/hexenstunde-von-anne-rice\/","title":{"rendered":"Hexenstunde von Anne Rice"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Anne Rice \u2013 Hexenstunde von 1990<br>Taschenbuchausgabe von Goldmann 1995<br>Umfang: 1087 Seiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Rezension enth\u00e4lt SPOILER und ist so lang, wie es ein 1087 seitenlanges Buch verdient.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Where to start? Kleiner inhaltlicher Abriss:<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir lernen durch die Augen eines Arztes die katatonische Deindre Mayfair kennen, die in einem wundersch\u00f6nen, heruntergekommenen Anwesen in New Orleans unter der Betreuung ihrer Tante dahin vegetiert. In ihrer Gegenwart wird gelegentlich ein sch\u00f6ner junger Mann gesichtet, doch dieser scheint irgendwie nicht menschlich zu sein.<br>Man erf\u00e4hrt, dass sie ein Kind hatte, das sie nach der Geburt abgeben musste. Sp\u00e4ter, als der Tod Deindres kurz bevorsteht, lernen wie dieses Kind, jetzt eine erwachsene Frau namens Rowan Mayfair kennen. Ebenso wird uns ein Bauunternehmer namens Michael vorgestellt, der nach einer Todeserfahrung auf dem Meer von Visionen geplagt wird und keine Gegenst\u00e4nde mehr ber\u00fchren kann, ohne das tausende Details fremder Leben seinen Geist fluten. Er sucht seine Retterin, die ihn aus dem Meer gefischt hat.<br>Diese ist Rowan und die beiden verlieben sich ineinander. Als Deindre schlie\u00dflich stirbt, erscheint auch Rowan in derselben Nacht der geheimnisvolle Mann, doch er verschwindet schnell wieder und sie h\u00e4lt ihn zun\u00e4chst f\u00fcr eine Illusion.<br>Entgegen eines Versprechens, dass Rowan ihrer Adoptivmutter gegeben hatte, kehrt sie zusammen mit Michael nach New Orleans zur\u00fcck, um zumindest einmal ihre verstorbene Mutter zu sehen. W\u00e4hrend sich Rowan die riesige Mayfairfamilie offenbart, wird Michael von einer Geheimorganisation kontaktiert, die ihm eine gigantische Akte \u00fcber diese Familie \u00fcbergibt.<br>Hier schickt uns das Buch in die Vergangenheit und erz\u00e4hlt von dem Jahr 1689 an, die Chronik von zw\u00f6lf Hexen, die alle \u201eden Mann\u201c sehen konnten und durch ihn eine reiche, m\u00e4chtige Hexendynastie geworden sind.<br>Als Rowan das Erbe dieser Dynastie \u00fcbernimmt, wird deutlich, dass der omin\u00f6se Mann vor Jahrhunderten mit der ersten Hexe einen Pakt geschlossen hat. Und Rowan soll diesen Pakt nun einl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Positive:<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie man schon an der nicht gerade kurzen Zusammenfassung erkennen kann, ist die Handlung sehr vielschichtig aufgebaut. Diese Komplexit\u00e4t und auch die Art, wie sich die Familiensaga entwickelt, hat einen h\u00f6chst spannenden Kern, der mich soweit gefesselt hat, dass ich unbedingt wissen wollte, wie es ausgeht. Das ist per se ein absoluter Pluspunkt. Auch das Gesamtkonzept der Hexendynastie ist klug durchdacht, in sich logisch bis zum Schluss. Man k\u00f6nnte sagen, das Ger\u00fcst ist absolut tragf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit war es das dann auch schon mit dem Positiven. Was Anne Rice aus diesem Material gemacht hat,  war leider etwas v\u00f6llig anderes, als ich erwartet hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausufernde Beschreibungen:<\/h2>\n\n\n\n<p>Pauschal gesagt ist das Buch mindestens um das Doppelte zu lang!<br>Zun\u00e4chst sind da die wirklich einnehmenden Beschreibungen des verfallenen Hauses und anderer \u00d6rtlichkeiten, die wirklich eine tolle Atmosph\u00e4re erschaffen und die Liebe der Autorin zu New Orleans spiegeln. Die ersten hundert Seiten wird man dadurch durchaus eingefangen. Die darauffolgenden Ausschm\u00fcckungen werden dann aber m\u00fchsam bis anstrengend. Gerade im Anfang (also den ersten dreihundert Seiten, was bei anderen ein einzelnes Buch ist) werden  Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven wiederholt beschrieben, wodurch man eigentlich schon beim zweiten Mal wei\u00df, was passiert. Nur, weil es ein anderer sieht, m\u00f6chte man es aber nicht wieder bis ins Detail schrieben haben. Bei der dritten Perspektive gingen mir die Nerven daf\u00fcr aus, dasselbe Ereignis nochmals detailliert zu lesen, und ich begann seitenweise zu springen \u2013 etwas, was ich wirklich nur sehr, sehr selten tue.<br>Diese ausufernde Detailversessenheit \u2013 eine exzessive Form des Show, das wirklich hier und da ein Tell vertragen h\u00e4tte \u2013 betrifft ebenso die Biografien der einzelnen Figuren, die so genau beschrieben sind, dass man als Leser irgendwann an den Punkt kommt, sich zu fragen: muss ich das alles wirklich wissen? Ich bekam teilweise den Eindruck, alles, was Anne Rice je als Hintergrund \u00fcber ihre Figuren erdacht hatte, musste eins zu eins ins Buch. Es war aber nicht gerade f\u00fcr die Geschichte zutr\u00e4glich. Auch hier habe ich am Ende manches Charakters seitenweise gebl\u00e4ttert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die R\u00fcckblende<\/h2>\n\n\n\n<p>Die R\u00fcckblende in der Mittes des Buches beinhaltet eine genaue Chronik der Mayfair Hexen. Es beginnt im Jahr 1689 und geht bis in die Neuzeit. Auch hier begann ich schnell querzulesen, da ich ahnte, was sp\u00e4ter passieren w\u00fcrde. Und es traf genau so ein: Zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt im Buch erz\u00e4hlt Michael seiner Geliebten Rowan in einer handlichen Zusammenfassung die Geschichte ihrer Vorfahrinnen und alles Wichtige, was den omin\u00f6sen Mann betrifft.<br>Die Chronik wurde aus der Sicht der Mitglieder der Geheimorganisation Talamasca geschildert und war sprachlich nicht sehr gelungen. Bereits die erste Geschichte strotzt vor Klischees \u00fcber Hexenfolgung des Mittelalters und bedient gleich das Gedankengut, dass eine Hexe Werkzeug des Teufels ist. Die gesamte Macht und die Schicksale der Mayfair Frauen werden an diesen teuflischen oder verteufelten Geist gebunden, der Lasher hei\u00dft. Er nimmt Einfluss auf sie durch die F\u00e4higkeit, die Frauen sexuell gef\u00fcgig zu machen. \u00dcber die weiblichen Mayfairs kommen in allen Jahrhunderten bis heute noch  inzestu\u00f6se und gewaltsame \u00dcbergriffe m\u00e4nnlicher Mayfairs hinzu, die die Hexenmacht st\u00e4rken sollten. Die Sexualit\u00e4t der Frauen wird  von allen Seiten fremdbestimmt.<br>Was mich direkt zum n\u00e4chsten Kritikpunkt f\u00fchrt \u2026<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das pr\u00e4sentierte Frauenbild:<\/h2>\n\n\n\n<p>\u2026 ist eine Katastrophe. Zun\u00e4chst einmal sind alle entsetzlich sch\u00f6n, schlank und sexy. Das wird bis zur Unertr\u00e4glichkeit erw\u00e4hnt und soll nat\u00fcrlich die teuflischen Hexenzuchterfolge widerspiegeln.  Unter dem Einfluss des Geistes, werden die Frauen geschw\u00e4ngert und zwar mitunter vom eigenen Vater und Gro\u00dfvater, auf das das n\u00e4chste M\u00e4dchen st\u00e4rker werde. Sie wird zudem Erbin eines rapide wachsenden Verm\u00f6gens.<br>Das hei\u00dft im Klartext: Die Frauen sind gekauftes Zuchtmaterial und haben eigentlich KEINE Macht \u2013 ihr teuflischer Geist Lasher hat die Macht und \u00fcbt sie \u00fcber sie aus \u2013 ein wohlbemerkt m\u00e4nnlicher Geist, der ungeheuer attraktiv ist. (Letzteres bitte zynisch verstehen).<br>Ihr Hexenkr\u00e4fte sind wohl urspr\u00fcnglich in ihnen genetisch angelegt, aber ab dem Moment, wo Lasher Einfluss auf seine erste Hexe gewinnt, geht es nur noch darum ihre Kr\u00e4fte zu seinem Wohl zu entwickeln oder besser gesagt zu z\u00fcchten. Die Frauen dienen also blo\u00df noch dem Mann, aber nicht sich selbst.<br>Zudem erleiden sie auch einiges innerhalb der wie ein Geschw\u00fcr wachsenden Familie, sowohl Missbrauch, Vergewaltigung und T\u00f6tung durch m\u00e4nnlicher Mitglieder, als auch durch Einweisung und medikament\u00f6ser Sedierung, wie bei Deindre durch die Hand ihrer Tante, also weibliche Anverwandte.<br>Es ist insgesamt eine extrem destruktive Darstellung von Hexen, Familie und Sexualit\u00e4t. Aber hey, alle sind daf\u00fcr ungeheuer sch\u00f6n, unermesslich reich und vermeintlich \u201estark\u201c sind \u2013 damit sie am Ende \u2026.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Ende<\/h2>\n\n\n\n<p>Ja, das Ende. ACHTUNG ICH VERRATE ES (teilweise); ALSO FETTER SPOILER!<br>Ich hatte mir nach alle dem Leid und der Teufelei so gew\u00fcnscht, dass die Protagonistin Rowan, die letzte Hexe, sich von jenem teuflischen Mann und seinem Einfluss befreit, der alle ihre weiblichen Vorfahren eingenommen hatte. Aber leider war das Gegenteil der Fall. Sie gibt diesem Wesen genau das, was es wollte, und verschwindet dann mit ihm. Dabei verl\u00e4sst sie Michael, die Liebe ihres Lebens, ohne die sich doch eigentlich nicht existieren wollte, wie ihr seitenweise in den Mund geschrieben wurde,  Wozu Michael seine \u00fcbersinnlichen F\u00e4higkeiten wirklich erhalten hat, kl\u00e4rt im \u00fcbrigen das Buch nicht auf,<br>Auch wenn es nochFortsetzungen des Mayfairstoffes gibt und vielleicht die Chance besteht, dass Rowan sich dieses D\u00e4mons Lasher entledigt, so war das Ende f\u00fcr mich doch eine riesen Entt\u00e4uschung. Und es hat mir das letzte bisschen Lust geraubt, den Folgeb\u00e4nden noch eine Chance zu geben.<br>Band 2 und 3, wobei der dritte wohl eine eigenst\u00e4ndige Geschichte enth\u00e4lt, habe ich aus einem B\u00fcchertauschregal gefischt, Band 1 \u201eHexenstunde\u201c hatte ich von anno dazumal noch im Schank.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nun, Fazit:<\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht nur kehren die beiden Fundb\u00fccher dorthin zur\u00fcck, wo ich sie her habe. Sie bekommen Zuwachs. Auch Band eins gebe ich die Freiheit. Und f\u00fcr mich ist klar: ich behalte wunderbare Erinnerungen an die Vampirsaga, die ich als Jugendliche gelesen habe, wende mich aber entt\u00e4uscht von der Hexensaga ab.<br>Frauen, die der Hexerei bezichtigt wurden, besa\u00dfen meist ein Wissen, dass andere ihnen neideten. Sie wurden b\u00f6sartig verleumdet und waren gewiss niemals mit dem Teufel im Bunde. Sie waren Opfer von so vielen Ungerechtigkeiten, sodass ich kein Buch lesen will, in dem in unserer heutigen Zeit solche Darstellungen weiter gesponnen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anne Rice \u2013 Hexenstunde von 1990Taschenbuchausgabe von Goldmann 1995Umfang: 1087 Seiten. Diese Rezension enth\u00e4lt SPOILER und ist so lang, wie es ein 1087 seitenlanges Buch verdient. Where to start? 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